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04.10.2019 19:00 Uhr "Mitgliederversammlung (Hauptversammlung) --- 04.10.2019 20:00 Uhr "Zwei graue Nomaden drei Monate unterwegs in Australien"; Rüdiger Schlepper, Quickborn; Peter Momberg, Ahrensburg
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Spannendes über beliebte und unbeliebte Achtbeiner
 
Von Jörg Hofmann
Zu  den Spinnentieren gehören nicht nur die klassischen Spinnen , die jeder  von uns kennt, sondern noch viele weitere Ordnungen, die ich Ihnen  vorstellen möchte. Systematisch betrachtet, gehören die Arachnida (Spinnentiere) zu den Chelicerata (Kiefernklauenträger), zu denen auch die Merostmata (Pfeilschwanzkrebse) und Pantopoda  (Asselspinnen) gehören. Allen drei Klassen ist gemein, dass sie im  Gegensatz zu den Krebsen und Insekten keine Antennen tragen und über Cheliceren  verfügen, die sich aus den Beinen entwickelt haben. Mit diesen Gebilden  ergreifen oder zerkleinern sie ihre Beute, oder sie injizieren Gifte in  ihre Opfer. Fast alle Arachnida besitzen sechs Extremitätenpaare, wovon  sich das erste zu Cheliceren entwickelte, das zweite zu Pedipalpen und  das dritte bis sechste zu Beinpaaren. Daher verfügen alle Spinnentiere  also über acht Beine, was sie deutlich von den Insekten unterscheidet.  Ihr gesamter Körper ist in der Regel zweigeteilt, der Vorderkörper wird  Prosoma genannt und besteht aus zwei verwachsenen Segmenten und ist nach  oben abgeschlossen vom Peltidium, einem meist kräftig gebauten  Rückenschild. Im Anschluss folgt das Opisthosoma (Abdomen), in dem auch  das Herz gelegen ist. Bei den Webspinnen und Walzenspinnen ist das  Opitshosoma zu einer Einheit verschmolzen, und man kann einzelne  Segmente nicht mehr erkennen. Bei den Skorpionen und Pseudoskorpionen  hingegen sind bis zu 13 Segmente deutlich zu entdecken. Besonders deren  Schwänze sind gut segmentiert, und am letzten Segment erkennt man bei  den Skorpionen den Giftstachel. Die Geschlechtsöffnung liegt bei fast  allen Arachniden auf der Unterseite des zweiten Segments des  Opisthosomas. Die männlichen Spinnentiere übertragen die Spermien bei  der Paarung mithilfe der bereits erwähnten Pedipalpen in die weibliche Geschlechtsöffnung. Folgende (grobe) Einteilung gibt es aktuell bei den Chelicerata:

Chelicerata (Kieferklauenträger):
1.Klasse:        Merostomata: Xiphusura (rezent), Eurypterida (ausgestorben)
2.Klasse:        Arachnida (Spinnentiere)
                     1. Ordnung: Skorpiones (Skorpione)
                     2. Ordnung: Pedipalpi: Uropygi (Geißelskorpione) und
                                                           Amblypygi (Geißelspinnen)
                     3. Ordnung: Palpigradi (Palpenläufer)
                     4. Ordnung: Araneae (Webspinnen)
                     5. Ordnung: Pseudoscorpiones (Pseudoskorpione oder
                                                                         Afterskorpione)
                     6. Ordnung: Opiliones (Weberknechte)
                     7. Ordnung: Solifugae (Walzenspinnen)
                     8. Ordnung: Ricinulei (Kapuzenspinnen)
                     9. Ordnung: Acari (Milben)
3.Klasse:        Pantopoda (Asselspinnen)

Die  Klasse der Arachnida besteht also aus neun Ordnungen von  landbewohnenden Chelicerata, die teilweise sekundär das Wasser als  Lebensraum zurückerobert haben. Das gilt z. B. für die einheimische  Wasserspinne Argyroneta aquatica und einige weitere Arten, die auf dem Wasser leben. Hier seien die einheimischen Raubspinnen (Pisauridae) Dolomedes fimbriatus und D. plantarius  erwähnt, die zu den größten einheimischen Spinnen gehören. Sie sind  sehr selten und stark in ihrem Bestand gefährdet. Mehrere Arten der  Milben (Acari) sind ebenfalls sekundär zu Wasserbewohnern geworden. Die  Cheliceren sind sehr unterschiedlich gebaut, was bei über 90.000 Arten  nicht verwundert. Von kleinen Scheren über riesige Zangen bis hin zu  stilettförmigen Dolchen oder mit Giftdrüsen versehenen Klauen ist alles  dabei. Es gibt tatsächlich stark giftige Spinnentiere, wie die  südamerikanischen Kammspinnen der Gattung Phoneutria spec.,  jedes Jahr gibt es durch sie verursachte tödliche Bissunfälle. Bei  vielen Arten wird die Giftigkeit stark übertrieben, dagegen sind einige  Bisse sehr schmerzhaft, ohne jedoch für Langzeitschäden zu sorgen.  Selbst unsere einheimische Kreuzspinne Araneus diadematus  kann die menschliche Haut an empfindlichen Stellen durchdringen, und  ihr Biss verursacht kräftige Schmerzen. Gleiches gilt für die  wunderschöne Wespenspinne Argiope bruennichi,  die in den letzten fünfzig Jahren immer weiter nach Norden gewandert  ist und eigentlich ein typischer Bewohner der Mittelmeerstaaten ist. Man  findet sie auf Trockenwiesen und in anderen warmen Biotopen. Zusätzlich  verfügen die Skorpione noch über einen Giftstachel mit mehr oder  weniger starkem Gift. Spinnentiere verfügen über zwei verschiedene  Augentypen, die Haupt- und Nebenaugen genannt werden. Die Hauptaugen  sind teilweise sehr leistungsfähige Linsenaugen, die schnellste  Bewegungen wahrnehmen können. Besonders die Springspinnen  (Salticidae)verfügen über vergrößerte Frontalaugen, die wie zwei  Teleobjektive fungieren. Spinnen tragen normalerweise acht Augen, einige  auch nur sechs. Keinesfalls tragen Spinnen Facettenaugen, diese sind  nur bei den Mandibulata, also z. B. Krebsen und Insekten nachzuweisen.  Alle Chelicerata tragen Tasthaare auf dem Körper, die unterschiedlichste  Informationen übermitteln. Es gibt Trichobothrien, die Luftschwingungen  übertragen, aber auch Geschmackshaare. Bei der Nahrungsaufnahme  injizieren Spinnentiere Verdauungsenzyme in ihre Opfer, die dann  außerhalb des Körpers verdaut wird, was extraintestinale Verdauung  genannt wird. Es gibt jedoch viele Abwandlungen innerhalb der  artenreichen Gruppen. Terraristisch interessant sind vor allem die  Webspinnen und die Skorpione, alle anderen werden eher selten gepflegt.  Über Krankheiten ist nur sehr wenig bekannt, meist handelt es sich um  Parasiten die im Inneren von Spinnen heranwachsen, selten auch außen  parasitieren.
  
Schaut man sich die Ordnungen genauer an, dann gibt es Besonderheiten, die auffällig sind:

Skorpiones:
Auf den ersten Blick den Krebsen ähnlich, sind die Skorpione jedoch  nicht mit ihnen verwandt. Ihre Pedipalpen sind zu Scheren umgewandelt,  und sie dienen der Abwehr und dem Fang von Futtertieren. Die großen  Arten wie Pandinus imperator  (bis zu 21 cm lang) nutzen ihren Giftstachel am Ende des verlängerten  Opisthosomas (man nennt es Metasoma) eher selten, da sie durch ihre  gewaltige Kraft Futtertiere nur mit ihren Scheren zerlegen. Die  kleineren Arten, insbesondere die aus den Wüsten, bedienen sich ihres  Giftes, denn sie treffen selten auf Beute und müssen diese auch  überwältigen, um in den ariden Gebieten überleben zu können. Hierzu  zählt z. B. einer der giftigsten Skorpione:  Androctonus australis aus  der Sahara. Ihr Körperbau ist starr und seit dem Zeitalter Silur (440  416 Mio. Jahren) praktisch nicht abgewandelt. Alle Skorpione sind  ovovivipar bzw. vivipar, und sie kümmern sich in den ersten Lebenswochen  um ihre Nachkommen, dem voran geht ein ausgeprägtes Paarungsspiel  zwischen den Geschlechtern. Insgesamt gibt es über 1.000 Arten, die für  den Menschen jedoch nicht alle gefährlich sind. Nur wenige Arten sind  dies, und von etwa 150.000 Unfällen pro Jahr sterben etwa 1.200  Menschen. Über 40.000 dieser Unfälle geschehen alleine schon in Mexiko,  hier ist die gefährliche Gattung Tityus sehr häufig.
Pedipalpi:  Die Geißelskorpione (Uropygi) und Geißelspinnen (Amblypygi) gehören zu  den spannendsten Spinnentieren überhaupt, obwohl noch gar nicht so viel  über sie bekannt ist. Insgesamt sind in diesen beiden Gruppen über 400  Arten beschrieben.

1. Geißelskorpione:
Im Gegensatz zu den Skorpionen lösen sich bei den Uropygi die Segmente  schon langsam auf, und das Metasoma wird wesentlich kleiner und trägt  keinen Giftstachel. Zur Abwehr versprühen die Tiere aus Analdrüsen  Essig- oder Ameisensäure und vertreiben so ihre Feinde. Ihre Pedipalpen  sind teilweise zu gewaltigen Greifen geformt, mit denen sie ihre Beute  festhalten können. Bei den männlichen Geißelskorpionen sind sie stärker  ausgeprägt als bei weiblichen. Sie tragen ihre Eier in speziellen  Eiersäcken und werden bis zum Schlupf getragen.

2. Geißelspinnen:
Die Amblypygi ähneln schon sehr den Webspinnen, jedoch sind sie noch  stärker segmentiert als diese und verfügen noch nicht über Spinnwarzen.  Ihre Pedipalpen sind verhältnismäßig groß und werden zum Ergreifen der  Beute gebraucht. Das erste Laufbeinpaar ist zu einem Tastbein geworden  und erreicht fast schon unmögliche Längen (Spannweite bis zu 60 cm!).  Mit ihnen spüren sie Beutetiere in engen Spalten auf und kitzeln sie  langsam aus dem Versteck heraus. Auch sie sind ovipar und tragen ihre  Eier in einer speziellen Tasche bis zum Schlupf. Die Jungtiere bleiben  zuerst auf dem Muttertier, später oft auch in ihrer Nähe, denn sie sind  weniger kannibalistisch veranlagt als andere Spinnentiere. In geeigneten  Höhlen sind manchmal viele Exemplare zu entdecken.

Palpigradi:
Es gibt etwa 80 Arten weltweit, und sie sehen den Geißelskorpionen  ähnlich, haben jedoch ähnlich wie die Geißelspinnen das erste Beinpaar  zu einem Tastbeinpaar verlängert. Ihre Cheliceren sind übermäßig groß  und werden zum Festhalten der Beutetiere benutzt. Sie sind sehr klein  mit maximal 3 mm, und die meisten Arten sind parthenogenetisch. Die  Palpenläufer sind blind. Ihr Lebensraum ist die Laubschicht,  terraristisch sind sie nicht interessant, hauptsächlich bedingt durch  ihre geringe Größe.

Araneae:
Die Gruppe der Webspinnen ist mit 42.000 Arten und über 100 Familien  die artenreichste Spinnentiergruppe nach den Milben. Sie sind die  typisch geformten Spinnen und werden in Mesothelea und Opisthothelae  gegliedert, je nach Zahnstellung. Ihre Cheliceren sind zweigliedrige  Klauen, die teilweise mit Giftdrüsen versehen sind. Die Pedipalpen sind  bei den männlichen Tieren zu Übertragungsorganen für die Spermien  gewandelt und dazu haben sie verschiedenste Methoden entwickelt, bei  Paarungsversuchen nicht den weiblichen Spinnen zum Opfer zu fallen. Sie  verfügen über Spinnwarzen, die am Ende des Opisthosoma gelegen sind. Die  Webspinnen sind nur noch zweigliedrig im Bau, und am Prosoma setzen die  vier Beinpaare an. Die meisten Spinnen sind für den Menschen harmlos,  jedoch gibt es auch sehr giftige Arten, wie Phoneutria spec.  aus Südamerika. Alle Arten haben mehr oder weniger hoch entwickelte  Fortpflanzungsstrategien, die unterschiedlicher nicht sein könnten. Sie  bauen mithilfe ihrer Spinnwarzen Fangnetze oder Wohnröhren und formen  ihre Eier in feste Kokons.

Pseudoscorpiones:
Die Pseudo-oder Afterskorpione haben einen den Skorpionen sehr  ähnlichen Körperbau, verfügen auch über scherenähnliche Pedipalpen.  Diese haben mindestens eine Giftdrüse, um ihre Beute zu lähmen, dann  zerreißen sie ihre Opfer oder bohren ein Loch hinein, um sie  auszusaugen. Die meisten Arten leben in der Laubstreu, die berühmteste  Art jedoch ist ein echter Kulturfolger: Chelifer cancroides,der  Bücherskorpion. Mit maximal 4,5 mm ist er schon einer der Riesen unter  den Pseudoscorpiones, denn sie werden höchstens 7 mm lang.  Merkwürdig mutet bei diesem Anblick nur das fehlende Schwanzglied. Es  gibt über 3.000 Arten, allein in Deutschland sind es etwa 100. In  speziell gesponnenen Brutkammern werden die Eier gelegt und vom Weibchen  kurz bewacht. Terraristisch sind sie aufgrund ihrer Winzigkeit eher  uninteressant.

Opiliones:
Die allgemein bekannten Weberknechte tragen einen einheitlich geformten  Körper, dessen Gliederung kaum zu erkennen ist; an einem runden Körper  sitzen vier extrem lange und dünne Beinpaare. Jedoch sind nicht alle  Weberknechte dieser Grundform unterworfen, manche ähneln auch den  Milben. Ihre Cheliceren sind dreigliedrige Scheren, und die weiblichen  Tiere verfügen über einen Ovipositor, und sie kümmern sich in der Regel  nach der Eiablage nicht um ihre Nachkommen. Etwa 6.000 Arten sind  weltweit bekannt.

Solifugae:
Die Walzenspinnen können bis zu 70 mm lang und leben hauptsächlich in  ariden Wüstengebieten der Alten Welt. Deutlich getrennt ist das Prosoma  vom Opithosoma. Die gewaltig großen zweigliedrigen Scheren (Cheliceren),  können auch wehrhafte Beute extrem schnell zerschneiden; selbst durch  die menschliche Haut finden sie ihren Weg, jedoch verfügen die Tiere  über keine Giftdrüsen. Wenn sie ihre Vorzugstemperatur erreicht haben,  laufen die Walzenspinnen schnell durch die trockenen Biotope und suchen  nach Futter, meist nachts. In der Terraristik werden die Tiere eher  selten gepflegt, da sie große und warme Behältnisse brauchen und als  schlecht haltbar gelten. Die Nachzucht ist bisher nur in Einzelfällen  gelungen. Über 1.000 Arten sind beschrieben.

Ricinulei:
Die Kapuzenspinnen sind nur eine kleine Gruppe mit etwa 60 Arten. Ihr  zweites Beinpaar ist stark rückgebildet, insgesamt werden sie maximal 10  mm groß. Über Lebensweisen ist wenig bekannt.

Acari:
Die artenreichste Spinnengruppe mit über 50.000 Arten bewohnen  praktisch alle Biotope, vor allem auch ungewöhnlichste Orte. Ihre  Cheliceren sind unterschiedlich gebaut, je nach Lebenslage. Ihr Körper  besteht aus unterschiedlich vielen Segmenten, die jedoch meist so stark  verwachsen sind und so wie ein Segment wirken. Normalerweise haben sie  vier Beinpaare, häufig ist ein Beinpaar rückgebildet, oftmals auch in  jugendlichen Stadien. Viele Milben sind Destruenten, die in  verschiedenen Bodenschichten ihre Arbeit verrichten, es gibt aber auch  viele parasitär lebende Milben, an Pflanzen, Tieren und auch dem  Menschen. Mithilfe der Milbe Thyroplyphus siro wird ein schmackhafter Käse gewonnen, nicht alle Milben sind also Schädlinge. Die berühmtesten Milben sind die Hausstaubmilben Dermatophagoides pteronyssinus und Dermatophagoides farinae, die beim Menschenheftige Allergien auslösen können. Der Holzbock oder Zecke Ixodes ricinus ist ein gefürchteter Parasit an Tier und Mensch und Vektor für viele Krankheiten.
Die  Spinnentiere haben also ein großes Potential, einen spannenden Vortrag  zu liefern. Wir werden eine kleine Kamera (Vortrag 01.02.13)  installieren und auf der zweiten Leinwand lebende Exemplare auch aus der  Kleinstwelt übertragen. Lassen Sie sich überraschen.

Autor:  
Jörg Hofmann, Hamburg. Hat Biologie und Geographie studiert und ist lange Zeit Vorstandsmitglied der DGHT-LV Hamburg gewesen, Sachverständiger für die  Hamburger Behörden für Reptilien, Amphibien und Wirbellose. Arbeitete 25  Jahre im Groß- und Einzelhandel für Reptilien.
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